Zahlen und Fakten
In der Schweiz rauchen über 30 % der 15- bis 25-Jährigen. Bei den 15- bis 17-Jährigen scheint der Tabakkonsum rücklaufend zu sein, doch hat er in den letzten Jahren bei den jungen Erwachsenen zugenommen. Rund jeder sechste 15- bis 17-Jährige hat von der Tabakindustrie bereits ein Werbegeschenk erhalten und die Zahl der Minderjährigen, die selber Zigaretten kaufen können, ist immer noch viel zu gross. 1
Sucht Schweiz schlägt Alarm: 51 % der Jungen und 35 % der Mädchen unter 15 haben bereits E-Zigaretten ausprobiert. Die neuen Generationen elektronischer Zigaretten zeichnen sich durch mildere Aerosole aus, namentlich dank einer neuen Nikotinart mit tiefem pH-Wert: den Nikotinsalzen. Das Aerosol ist weniger irritierend und das Inhalieren darum einfacher, weshalb eine schnellere und grössere Nikotinzufuhr möglich und so die Suchtgefahr gesteigert wird. 200 Mal paffen entspricht etwa 10 Zigaretten.
Influencers im Solde der Tabakindustrie
Die Sozialen Medien sind eine der wichtigsten Spielwiesen für die Einflussnahme der Tabakindustrie. Diese bezahlt Influencer/innen dafür, ihre neuen Tabakprodukte zur Norm zu machen; und nicht nur Tabak, auch Einweg-Systeme, Schnupftabak, Snus, Nikotinbeutel usw. Allen gemeinsam ist das enthaltene Nikotin. 2021 hat British American Tabaco (BAT) über eine Milliarde britische Pfund (1,157 Mrd. Euro) dafür ausgegeben, um für tabakfreies Nikotinpulver (synthetisches Nikotin, auch bekannt als «Nicotine Pouch») in den Sozialen Medien Werbung zu machen. Innert weniger Wochen verzeichnete der Hashtag #lyftsnus 15 Millionen Views. 2 Die Zielgruppe ist ganz klar unsere Jugend.
Teenager: zuerst dampfen, dann rauchen
Eine Studie, die in der Zeitschrift Pediatrics (2020) erschienen ist 4, stellte fest, dass unter US-amerikanischen Teenagern, die nie die Absicht gehabt hatten, mit Rauchen anzufangen, der Konsum von E-Zigaretten mit einem erhöhten Rauchrisiko verbunden ist. 10 % der befragten Teenager, die Tabak rauchten, waren ehemalige Dampfer:innen, während dieser Anteil bei den Nicht-Dampfenden lediglich 1,5 % betrug.
Sucht: Puff Bar, die diskrete Zigarette, rauchst du sogar im Unterricht (auf französish)
Einer europäischen Studie aus dem Jahr 2019 zufolge 5 haben 40 % der 15- bis 16-jährigen Schüler:innen schon einmal E-Zigaretten geraucht, 14 % sind regelmässige Konsument:innen und knapp ein Viertel der Europäer:innen, die schon einmal eine E-Zigarette probiert haben, sind Nicht-Rauchende.
Mit ihrem Design, dem kleinen (USB-Stecker-) Format, den grellen Farben und den zahlreichen «Bonbon»-Aromen banalisieren diese Produkte den Nikotinkonsum. Sie sind im Kiosk erhältlich, einfach zu brauchen, diskret und erschwinglich. Daher ist es für unsere Teenies sehr einfach, an sie zu kommen oder sie einfach online zu bestellen.
Rauchende Teenies: Ab wann sind sie süchtig?
Schätzungen gehen davon aus, dass junge Rauchende innert 1,5 Jahren vom regelässigen Konsum zur diagnostizierten Nikotinsucht schlittern. Kinder aus alleinerziehenden Familien sind stärker exponiert als andere.
Jugendliche und Tabak: Informationen für Eltern von Jugendlichen
Es besteht eine Verbindung zwischen niedrigerem sozioökonomischem Hintergrund und Rauchverhalten im Teenage-Alter, die aber nicht so stark ist wie bei Erwachsenen. Prävention ist unerlässlich! Die meisten rauchenden Erwachsenen haben als Teenager angefangen. Das Aufhören ist umso schwerer, je früher mit Rauchen angefangen wurde..
Rauchende Teenies: Die Rolle der Eltern
Eltern und Gleichaltrige spielen beim Rauchverhalten von Teenagern eine wichtige Rolle. Wenn Eltern rauchen oder geraucht haben, ist das Risiko grösser, dass es auch ihr Teenager tut oder versucht. Zudem ist das Rauchverhalten der Eltern prädiktiv für den Schritt vom Ausprobieren zum regelmässigen Rauchen. Dabei soll der Vater einen grösseren Einfluss auf die Jungen haben. Wie erwähnt, sind Kinder aus alleinerziehenden Familien stärker exponiert als andere. Sie sehen sich mit der Verhaltensweise nur eines Elternteils konfrontiert, während in einer Familie mit zwei Eltern das Verhalten des einen Teils den Einfluss des anderen dämpfen oder verstärken kann. Wichtig: Auch das Rauchen der Eltern vor Geburt des Kindes scheint eine Wirkung zu entfalten. Schliesslich hat eine kürzlich erschienene Studie ergeben, dass eine Verbindung zwischen rauchenden Eltern und geringerem Willen zum Aufhören besteht. 3
Rauchende Teenies: Die Rolle des Umfelds
Studien haben zudem gezeigt, dass auch der Gruppendruck von Gleichaltrigen den Raucheinstieg fördert. Doch scheint dies eher auf das Experimentieren zuzutreffen und weniger auf die Entwicklung eines regelmässigen Konsums oder einer Abhängigkeit. 4 Eine Studie hat ergeben, dass es viel wichtiger ist, die Jugendlichen zur Abstinenz zu animieren, als sie davon zu überzeugen, nicht mit rauchenden Freunden zu verkehren! Schliesslich wird der Raucheinstieg auch von unerwünschten Ereignissen in der Kindheit gefördert, von psychiatrischen Störungen und vom Konsum von Alkohol oder illegalen Substanzen sowie davon, wie einfach Eltern oder andere Erwachsene Zugriff zur Zigarette gewähren. 5
Rauchende Teenies: vor Einstieg bewahren und zum Ausstieg verhelfen
Für ein Drittel der jugendlichen Rauchenden besteht das Risiko, an einer tabakbedingten Krankheit zu sterben. Deshalb ist es wichtig, effiziente Präventions- und Rauchstoppprogramme durchzuführen. Die Schule erscheint als idealer Ort, um Präventionsprogramme durchzuführen, doch haben Experimente aus den USA gezeigt, dass diese keine langfristige Wirkung zeigen.
Es sollten also neuartige Präventionsprogramme für die Schule entwickelt werden. Um ihre Erfolgschancen zu steigern, sollten sie auf Risikogruppen zielen, Gesundheitsfachleute einbeziehen und aktualisierte Instrumente einsetzen. Studien haben gezeigt, dass Antitabak-Programme im Teenage-Alter äusserst wichtig sind, weil in dieser Entwicklungsphase grosse soziale, kognitive, biologische und emotionale Veränderungen stattfinden.
Eine weitere Idee sind Entzugsprogramme. Diese scheinen unerlässlich, da die meisten rauchenden Teenager doch eigentlich aufhören möchten. Leider erleiden sie aber innert einem Monats wieder einen Rückfall.5 Die American Lung Association hat das nationale und internationale Rauchstopp-Programm für Teenager «Not On Tobacco» (N-O-T) entwickelt, das sich als wirksam erwiesen hat. Es eruht auf zehn Sitzungen, die von geschulten Moderierenden meist im schulischen Kontext geleitet werden.
Die Studie zum N-O-T hat bei 15 bis 19 % der Beteiligten eine Rauchstopp-Absicht ergeben. Dieser Anteil ist der grösste in der gesamten Literatur. Diese Analyse war auf zwei Jahre ausgelegt. Mit einer Markow-Simulation wurde errechnet, dass in einer Kohorte von 100 N-O-T-Jugendlichen 10 aufhören werden. Das N-O-T-Programm scheint ebenso effizient und wirtschaftlich zu sein wie eine Schulprävention. Jetzt muss es nur noch breit umgesetzt werden! Dieses Programm verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem jede Sitzung andere interaktive Lernstrategien einsetzt, die auf der sozialkognitiven Verhaltenstheorie beruhen. Diese können auch im Alltag angewendet werden und ermutigen bei den 14- bis 19-jährigen Jugendlichen eine freiwillige Veränderung. 9
Quellen
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Gaiha, S. M., Lin, C., Lempert, L. K., & Halpern-Felsher, B. (2023). Use, marketing, and appeal of oral nicotine products among adolescents, young adults, and adults. Addictive Behaviors, 140, 107632. https://doi.org/10.1016/j.addbeh.2023.107632
Hatz, L. E., Courtney, K. E., Wade, N. E., Thompson, C., Baca, R., Andrade, G., Doran, N., & Jacobus, J. (2024). First used Nicotine/Cannabis product and associated outcomes in late adolescents. Substance Use & Misuse, 59(5), 699–706. https://doi.org/10.1080/10826084.2023.2294975
Kechter, A., Simpson, K. A., Ceasar, R. C., Schiff, S. J., Yamaguchi, N., Bluthenthal, R. N., Smiley, S. L., & Barrington-Trimis, J. L. (2021). Trajectories of nicotine use leading to dual and cyclical tobacco product use in young adults. Nicotine & Tobacco Research, 24(7), 986–993. https://doi.org/10.1093/ntr/ntab249
Klein, J. D. (2019). Protecting youth from the risks of electronic cigarettes. Journal of Adolescent Health, 66(1), 127–131. https://doi.org/10.1016/j.jadohealth.2019.10.007
Notari, L., J., Amos, J., Delgrande Jordan, M., & Addiction Suisse. (2026). Produits du tabac et de la nicotine – Résultats de l’Enquête Santé et Lifestyle 2025. In Rapport De Recherche No 188. Addiction Suisse. https://www.suchtschweiz.ch/wp-content/uploads/2026/04/DS26_ISL2025_Factsheet_summary.pdf
Sokolovsky, A. W., Micalizzi, L., & Murphy, C. M. (2026). Longitudinal trends in the past 30-day co-use of nicotine/tobacco, alcohol, and cannabis among youth and adults in the PATH study. Addictive Behaviors, 176, 108633. https://doi.org/10.1016/j.addbeh.2026.108633
