Was sind Nikotinanaloga?

Nikotinanaloga haben eine ähnliche, jedoch nicht identische Struktur wie Nikotin. Sie können deswegen ähnliche, aber auch andere Eigenschaften haben. Zum Beispiel: 

  • andere Wirkungsstärken
  • andere Risiken für die Gesundheit. 

Warum werden Nikotinanaloga hergestellt?

Das Ziel der Hersteller ist es, das Gesetz zu umgehen. Das Gesetz schränkt den Verkauf von Produkten mit Nikotin ein. Um die gesetzlichen Beschränkungen zu umgehen, stellen sie Nikotinanaloga her. 

Der chemische Aufbau von Nikotinanaloga unterscheidet sich wenig vom Aufbau des Nikotins. Die Analoga gelten formal aber trotzdem nicht als Nikotin.

Welche Auswirkungen haben Nikotinanaloga auf die Gesundheit?

Die Auswirkungen von Nikotinanaloga auf die Gesundheit sind kaum bekannt. Fachpersonen untersuchen die Wirkung und Schädlichkeit auf den Menschen noch. Metatin (6-Methylnikotin), ein Nikotinanalogon, wurde noch nicht im Rahmen von grossen Studien an Menschen getestet. Versuche mit Ratten zeigten, dass es möglicherweise stärker wirkt und giftiger ist als Nikotin. 

«Nikotinfrei» und «NoNic»: Wirklich ohne Nikotin?

Produkte mit dem Label «nikotinfrei» oder «NoNic» behaupten, eine Alternative ohne Nikotin zu sein. Aber das ist irreführend. Sie enthalten Metatin, ein Nikotinanalogon. Die Hersteller täuschen damit vor, dass das Produkt sicher sei.  Aber: Metatin macht wahrscheinlich abhängig. Zudem wissen wir noch nicht, wie es langfristig dem Körper schadet. 

Manchmal machen Hersteller also falsche Angaben zur Wirksamkeit oder Sicherheit. Es kann vorkommen, dass sie Inhaltsstoffe nicht vollständig angeben, oder die Angaben zur Konzentration falsch oder irreführend sind.

Die Vermarktung dieser Produkte ist ebenfalls problematisch. Nikotinfreie Produkte richten sich gezielt an junge Menschen, mit attraktiven Verpackungen und Aromen für diese Zielgruppe.  Nikotinfreie oder «NoNic»-Produkte sind auf Online-Plattformen leicht erhältlich. Dort gibt es oft keine Alterskontrolle. Auf TikTok zum Beispiel gibt es viel Werbung dafür. 

Was ist synthetisches Nikotin?

Synthetisches Nikotin wird im Labor hergestellt, im Gegensatz zu natürlichem Nikotin, das aus Tabakpflanzen gewonnen wird. Nicht nur pflanzliches, sondern auch synthetisches Nikotin kann eine starke Abhängigkeit verursachen. 

Es gibt zwei Enantiomere von Nikotin, das S-Nikotin und das R-Nikotin. Enantiomere sind spiegelbildliche Moleküle, die jedoch nicht ganz identisch sind. Es ist ungefähr so, als würde man die linke und rechte Hand anschauen. 

Enantiomere können ähnliche, aber auch unterschiedliche Wirkungen und Eigenschaften haben. Nikotin aus der Tabakpflanze besteht hauptsächlich aus S-Nikotin. Synthetisches Nikotin kann S-Nikotin und R-Nikotin in verschiedenen Verhältnissen beinhalten.

Welche Auswirkungen hat synthetisches Nikotin auf die Gesundheit?

  • Auch synthetisches Nikotin macht abhängig.
  • Synthetisches Nikotin kann R-Nikotin beinhalten. Die Wirkungen von R-Nikotin auf den Körper sind nur teilweise erforscht.

Es gibt also keinen risikofreien Konsum. Fachpersonen halten die Bezeichnungen «gesünder oder gesund» oder «weniger schädlich» für eine Verharmlosung. 

Wie ist die Regelung zu Nikotinanaloga und synthetischem Nikotin in der Schweiz?

Das Schweizer Tabakrecht unterscheidet nicht zwischen natürlichem, also aus Tabak gewonnenem Nikotin, und synthetischem Nikotin. Das Schweizer Tabakrecht gilt also auch für synthetisches Nikotin.  Es gilt jedoch nicht für Nikotinanaloga.  

Aber: Auch nikotinfreie Produkte, die für E-Zigaretten verwendet werden, unterliegen dem Schweizer Tabakrecht. Daher müssen E-Zigaretten mit Nikotinanaloga die Anforderungen des Schweizer Tabakrechts ebenfalls erfüllen.

Warum fordern Gesundheitsorganisationen, Nikotinanaloga zu regulieren?

Gesundheitsbehörden und Fachpersonen untersuchen Nikotinanaloga weiter, um ihre Auswirkungen besser zu verstehen. Solange die genauen Effekte jedoch unbekannt sind, wollen Gesundheitsorganisationen Nikotinanaloga regulieren. Denn Sie machen wahrscheinlich abhängig und können langfristig negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. 

Quellen

Berman, M. L., Zettler, P. J., & Jordt, S. E. (2023). Synthetic Nicotine: Science, Global Legal Landscape, and Regulatory Considerations. World Health Organization technical report series1047, 35–60.

Clivaz, C. (2025). Parlamentarische Interpellation: Eine neue Form von Nikotin, die das Gesetz umgeht? Abgerufen unter https://www.parlament.ch/fr/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253099

Jordt S. E. (2023). Synthetic nicotine has arrived. Tobacco control32(e1), e113–e117. doi.org/10.1136/tobaccocontrol-2021-056626

Lungenliga Thurgau (2025). Medienmitteilung: Warnung vor neuer Nikotin-Substanz in E-Zigaretten: 6-Methylnikotin (6-MN) wird fälschlicherweise als nikotinfrei vermarktet. Abgerufen unter www.legapolmonare.ch/sites/default/files/documents/medienmitteilung-lltg-e-zigarretten-2025_03.pdf

Schweizerische Vereinigung für Tabakprävention (2025). Alarm wegen der Markteinführung von 6-Methyl-Nikotin in Einweg-E-Zigaretten. Abgerufen unter www.at-schweiz.ch/fr/news-media/news/blog-at-6-m%C3%A9thyl-nicotine/ 

Schweizerische Vereinigung für Tabakprävention (2025). 6-Methyl-Nikotin (6-MN): Die Schweiz darf beim Schutz der Jugend nicht erneut versagen. Abgerufen unter https://www.prevention.ch/fr/article/6-methylnikotin-6-mn-die-schweiz-darf-nicht-erneut-beim-jugendschutz-versagen

Wang D.X., Booth H., Lerner-Marmarosh N., Osdene T.S. & Abood L.G. (1998). Structure–activity relationships for nicotine analogs comparing competition for [3H]nicotine binding and psychotropic potency. Drug Dev Res, 45,10-16. https://doi.org/10.1002/(SICI)1098-2299(199809)45:1<10::AID-DDR2>3.0.CO;2-G

Aktualisiert im März 2026