Was ist motivierende Gesprächsführung?

Die motivierende Gesprächsführung geht davon aus, dass Menschen ihre Situation selbst verändern können. Eine Fachperson unterstützt dich dabei. Die Aufgabe der Fachperson ist es, diese Fähigkeit zu stärken.

Das Gespräch findet in einer freundlichen, offenen und wertschätzenden Atmosphäre statt. Du sollst offen über deine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle sprechen können. Die Fachperson hört dir zu und versucht, deine Situation zu verstehen.

Die motivierende Gesprächsführung wurde von den Psychologen William R. Miller und Stephen Rollnick entwickelt. Dabei geht es nicht darum, dich vom Aufhören zu überzeugen. Vielmehr unterstützt dich die Fachperson, deine Gründe für und gegen den Konsum von Tabak oder Nikotin zu erkennen. Gemeinsam schaut ihr, welche Möglichkeiten und Stärken du hast. Ihr überlegt auch, was du in deinem Alltag verändern kannst.

Deine eigene Motivation ist wichtig

Vielleicht willst du mit dem Rauchen aufhören, zögerst aber noch. Oder du hast es schon oft probiert und wieder angefangen. Das ist völlig in Ordnung.

Die motivierende Gesprächsführung nimmt diese Gedanken auf. Die Fachperson konfrontiert dich nicht mit deinen Zweifeln und versucht nicht, dich zu einer Veränderung zu drängen. Stattdessen hilft sie dir, deine Gedanken und Gefühle zu verstehen.

Sie fasst deine Worte zusammen oder formuliert sie neu. Dadurch kannst du deine Situation aus einer anderen Sichtweise betrachten. Möglicherweise erkennst du neue Zusammenhänge.

Du entscheidest, ob du etwas veränderst.

Betrachte deine Gedanken und Argumente neu

Im Gespräch kannst du sagen, was du am Tabak oder Nikotin gut und schlecht findest. Vielleicht hilft dir eine Zigarette bei Stress. Vielleicht ist das Rauchen für dich eine Pause oder gehört zu bestimmten Situationen dazu.

Gleichzeitig hat das Rauchen Nachteile. Zum Beispiel schadet es deiner Gesundheit, kostet Geld oder verringert deine körperliche Leistungsfähigkeit.

Die Fachperson bewertet deine Aussagen nicht. Sie hilft dir dabei, deine eigenen Argumente genauer anzusehen. Wenn du zweifelst oder widersprichst, ist das in Ordnung.

Gemeinsam findet ihr heraus, in welchen Situationen du rauchst oder Nikotin konsumierst. Danach überlegt ihr, welche Strategien dir beim Aufhören helfen.

Noch nicht bereit fürs Aufhören?

Die motivierende Gesprächsführung kann dir helfen, deine Motivation langsam aufzubauen.

Die Fachperson begleitet dich schrittweise:

  1. Finde deine Gründe fürs Aufhören:
    Überlege, warum das Aufhören für dich wichtig ist. Gründe können zum Beispiel deine Gesundheit, deine Familie oder die Kosten sein.

  2. Schau dir die Nachteile an:
    Welche Folgen hat der Konsum für deine Gesundheit und deinen Alltag? Zum Beispiel bist du weniger fit oder die Haut altert schneller.

  3. Überlege, welche Vorteile das Aufhören hat:
    Wie könnte sich deine Gesundheit, deine finanzielle Situation und dein Wohlbefinden verbessern?

  4. Finde heraus, was das Aufhören schwierig macht:
    Welche Situationen oder Gefühle machen es dir besonders schwer, nicht zu rauchen? Überlegt gemeinsam, wie du diese Hürden bewältigen kannst.

  5. Versuche es wieder:
    Aufhören gelingt nicht immer beim ersten Mal. Oft sind mehrere Versuche nötig. Jeder Versuch kann dir helfen, dein Verhalten besser zu verstehen.

Wie läuft die motivierende Gesprächsführung ab?

Die Dauer und Anzahl der Gespräche hängen von deinen Bedürfnissen ab. Als Orientierung kann die motivierende Gesprächsführung aus drei Gesprächen von jeweils etwa 50 Minuten bestehen. Die Gespräche verteilen sich über 8 bis 12 Wochen.

Die motivierende Gesprächsführung kannst du mit anderen Methoden zur Tabak- und Nikotinentwöhnung kombinieren.

Wie wirksam ist die motivierende Gesprächsführung?

Es gibt viele Studien zur motivierenden Gesprächsführung. Auch bei der Tabak- und Nikotinentwöhnung gibt es Studien zu dieser Methode.

Die Ergebnisse zeigen, dass die motivierende Gesprächsführung die Chance auf einen Rauch- oder Nikotinstopp erhöht. Sie kann auch in kurzen Gesprächen eingesetzt werden. Wenn du sie mit anderen Methoden kombinierst, ist die Wirkung noch besser.

Gleichzeitig ist es nicht einfach, die Wirkung der motivierenden Gesprächsführung genau zu bestimmen. Es gibt verschiedene Faktoren, die den Erfolg beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel die Dauer und die Anzahl der Gespräche. Auch wichtig ist, ob die Methode zu dir passt.

Quellen

Agency for Healthcare Research and Quality. (2008). Patients not ready to make a quit attempt now (The “5 R’s”). https://www.ahrq.gov/sites/default/files/wysiwyg/professionals/clinicians-providers/guidelines-recommendations/tobacco/5rs.pdf

Heckman, C. J., Egleston, B. L., & Hofmann, M. T. (2010). Efficacy of motivational interviewing for smoking cessation: A systematic review and meta-analysis. Tobacco Control, 19(5), 410–416. https://doi.org/10.1136/tc.2009.033175

Lindson, N., Thompson, T. P., Ferrey, A., Lambert, J. D., & Aveyard, P. (2019). Motivational interviewing for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2019(7). https://doi.org/10.1002/14651858.cd006936.pub4

Miller, W. R., & Rollnick, S. (2025). Motivierende Gesprächsführung: Motivational Interviewing: 4. Auflage des Standardwerks in Deutsch (R. Demmel & V. Zimmer, Übers.). Lambertus-Verlag.

Aktualisiert im August 2026

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