Wenn du rauchst und hormonelle Verhütungsmittel benutzt, steigt dein Risiko für Herz-Kreislauf- Krankheiten stark an. Dies gilt besonders, wenn du älter als 35 bist. Ärztinnen und Ärzte raten Frauen über 35 deshalb, mit dem Rauchen aufzuhören.

Kommt ein Rauchstopp für dich im Moment noch nicht in Frage? Sprich mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, welches Verhütungsmittel besser für dich ist.

Welche Risiken haben hormonelle Verhütungsmittel?

Hormonelle Verhütungsmittel enthalten die Hormone Östrogen und Progesteron. Es gibt sie in verschiedenen Formen:

  • Östrogen-Gestagen-Pille, auch Kombinationspille oder «Pille»: Du nimmst die Pille täglich während 21 oder 28 Tagen. In der «pillenfreien» Woche beziehungsweise der vierten Woche bekommst du deine Periode.
  • Hormonpflaster: Du klebst drei Wochen lang jede Woche ein neues Pflaster auf die Haut. Darauf folgt eine «pflasterfreie» Woche, während der du die Periode bekommst.
  • Vaginalring: Du legst den Ring in die Scheide ein und lässt ihn für drei Wochen drin. Du entfernst ihn in der vierten Woche und bekommst deine Periode.

Hormonelle Verhütungsmittel erhöhen das Risiko für gewisse Krankheiten. Dies gilt besonders für Raucherinnen:

  • Thrombose (Blutgerinnsel, meist in einem Bein),
  • Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge),
  • Herzinfarkt,
  • HIrnschlag,
  • Diabetes (Zuckerkrankheit).

Das Risiko hängt auch von anderen Faktoren ab, wie zum Beispiel:

  • Übergewicht,
  • Bluthochdruck,
  • bestehende oder frühere Herz- oder Gefässerkrankungen.

Warum soll ich hormonelle Verhütungsmittel und Tabak nicht kombinieren?

Die Blutgefässe versorgen das Gehirn und den restlichen Körper mit Blut. Sie müssen geschmeidig und flexibel sein. Sowohl die synthetischen Hormone in hormonellen Verhütungsmitteln als auch die chemischen Stoffe im Tabak schädigen die Blutgefässe.

Synthetische Hormone sind im Labor hergestellt. Sie ahmen die natürlichen weiblichen Hormone nach, vor allem Östrogen und Progesteron. Hormonelle Verhütungsmittel:

  • beeinflussen die Blutgerinnung und verdicken das Blut,
  • begünstigen die Bildung von Blutgerinnseln,
  • schwächen die Wände der Blutgefässe,
  • verringern das «gute» Cholesterin. Dies erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Die chemischen Stoffe im Tabak:

  • verringern die Menge an Sauerstoff im Blut;
  • verursachen Gefässkrämpfe. Dies kann zu starken Brustschmerzen führen. Man spricht dann von Angina pectoris oder Angina.
  • beeinflussen die Blutgerinnung und verdicken das Blut,
  • verursachen Entzündungen der Blutgefässe,
  • verringern das «gute» Cholesterin.

Wenn du rauchst und hormonelle Verhütungsmittel benutzt, hast du ein höheres Risiko für Thrombosen und Lungenembolien. Dieses Risiko ist noch höher, wenn du älter als 35 bist. Auch das Risiko für einen Hirnschlag, einen Herzinfarkt und Diabetes ist höher.

Hormonelle Verhütungsmittel beschleunigen den Abbau von Nikotin über die Leber. Zusätzlich erhöhen sie den körperlichen Stress. Dies kann zu einem verstärkten Verlangen nach Zigaretten führen. Gleichzeitig sind die Entzugserscheinungen vielleicht stärker.

Forschende vermuten deshalb: Wenn du hormonelle Verhütungsmittel verwendest, fällt es dir schwerer, mit dem Rauchen aufzuhören.

Du benutzt hormonelle Verhütungsmittel und rauchst? Sprich mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt darüber. Du benutzt hormonelle Verhütungsmittel und möchtest mit dem Rauchen aufhören? Wende dich sich an die Fachleute vom Beratungsangebot stopsmoking.

Warum macht Rauchen, dass hormonelle Verhütungsmittel weniger wirken?

Rauchen stört den Hormonhaushalt, weil es die Produktion von Östrogen verringert. Viele Raucherinnen haben deshalb zu wenig Östrogen. Ihre Verhütungsmittel sind dann weniger wirksam als die von Nichtraucherinnen.

Tabak sorgt ausserdem dafür, dass die Leber die synthetischen Hormone im Verhütungsmittel schneller abbaut. Dies kann dazu führen, dass die Verhütungsmittel weniger gut wirken. Die Blutungen während der Periode sind unregelmässiger und schmerzhafter. Auch Zwischenblutungen treten häufiger auf.

Ärzte raten deshalb, mit Rauchen aufzuhören, wenn du hormonelle Verhütungsmittel benutzt. Oder andere Verhütungsmittel zu benutzen.

Welche anderen Verhütungsmittel gibt es?

Es gibt Verhütungsmittel ohne Östrogen oder ohne Hormone. Allerdings sind nicht alle gleich sicher. Auch sind nicht alle für jede Frau geeignet.

Du benutzt hormonelle Verhütungsmittel und rauchst? Sprich mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Gemeinsam findet ihr das beste Verhütungsmittel für dich.

Östrogen-freie Verhütungsmittel

Sie enthalten wenig oder kein Östrogen. Diese Verhütungsmittel enthalten zwar andere Hormone, aber erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten nicht so stark:

  • Mikrodosierte Pille oder «Mikropille»: Sie enthält nur wenig Östrogen.
  • «Minipille»: Sie enthält kein Östrogen, sondern ein Gestagen-Hormon.
  • Subkutanes Implantat oder «Stäbchen»: Dein Frauenarzt setzt dir einen kleinen Kunststoffstab unter die Haut am Arm. Das Implantat hält etwa drei Jahre. Dann musst du es austauschen lassen.
  • Verhütungsspritze oder «Dreimonatsspritze»: Dein Frauenarzt spritzt dir alle drei Monate ein Gestagen-Hormon in den Muskel oder unter die Haut.
  • Hormon-Spirale: Der Frauenarzt setzt die Spirale in deine Gebärmutter ein. Sie gibt über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren ein Gestagen-Hormon ab.

Nicht-hormonelle Methoden

  • Das Einweg-Kondom für Frauen. Du führst eine synthetische Hülle in die Scheide ein. Die Hülle ist mit Gleitmittel versehen und hat an beiden Enden einen Ring.
  • Das Einweg-Kondom für Männer. Er rollt eine mit Gleitmittel versehene Hülle aus Latex oder synthetischem Material über den erigierten Penis.
  • Die Kupferspirale. Der Frauenarzt setzt die Spirale in deine Gebärmutter ein. Sie gibt Kupfer ab, das die Spermien für 3 bis 5 Jahre unwirksam macht.
  • Das Diaphragma oder die Portiokappe. Du führst eine Kappe aus Silikon oder Latex in die Scheide ein, um den Eintritt der Spermien zu verhindern.
  • Spermizide. Du verwendest ein Zäpfchen, eine Creme, einen speziellen Tampon oder eine Tablette, um die Spermien abzutöten.
  • Selbstbeobachtung oder «Temperaturmethode». Du misst täglich deine Körpertemperatur. Zusätzlich beobachtest du deinen Vaginalausfluss. An den fruchtbaren Tagen musst du auf Geschlechtsverkehr verzichten oder dich schützen. Achtung: Diese Methode ist nicht sehr zuverlässig. Sie erfordert gute Kenntnisse des eigenen Zyklus und Disziplin.

Die endgültigen Methoden

Es gibt Verhütungsmethoden, die dauerhaft unfruchtbar machen:

  • Unterbindung oder Ligatur der Eileiter bei Frauen. Der Frauenarzt setzt ein Implantat ein, das die Eileiter verschliesst. Er kann die Eileiter auch abbinden oder durchtrennen.
  • Unterbindung der Samenleiter oder Vasektomie bei Männern. Der Urologe oder die Urologin bindet die Kanäle ab, welche die Spermien zum Samen transportieren. Oder der Urologie durchtrennt diese Kanäle.

Was empfehlen wir dir?

Du benutzt hormonelle Verhütungsmittel und möchtest mit dem Rauchen aufhören? Wende dich sich an die Fachleute vom Beratungsangebot stopsmoking. Sie beantworten deine Fragen telefonisch oder online. Sie begleiten dich auch individuell, wenn du dich entschlossen hast, mit dem Rauchen aufzuhören. Das Angebot ist gratis und anonym.

Quellen

Allen, A. M., Weinberger, A. H., Wetherill, R. R., Howe, C. L., & McKee, S. A. (2019). Oral Contraceptives and Cigarette Smoking: A Review of the Literature and Future Directions. Nicotine & Tobacco Research: Official Journal of the Society for Research on Nicotine and Tobacco, 21(5), 592–601. https://doi.org/10.1093/ntr/ntx258 

Cornuz, J., Willi, C., Jara, G., D., T., D., L., Closuit, A. (2006). Cycles de vie d’une femme et tabac, Rev Med Suisse, 2, no. 072, 1696–1700. https://doi.org/10.53738/REVMED.2006.2.72.1696 

Cushman, M., Kuller, L. H., Prentice, R., Rodabough, R. J., Psaty, B. M., Stafford, R. S., Sidney, S., & Rosendaal, F. R. (2004). Estrogen plus progestin and risk of venous thrombosis. JAMA, 292(13), 1573–1580. https://doi.org/10.1001/jama.292.13.1573 

Gomes, M. P. V., & Deitcher, S. R. (2004). Risk of venous thromboembolic disease associated with hormonal contraceptives and hormone replacement therapy: A clinical review. Archives of Internal Medicine, 164(8), 840–849. https://doi.org/10.1001/archinte.164.8.840 

Heit, J. A. (2006). The epidemiology of venous thromboembolism in the community: Implications for prevention and management. Journal of Thrombosis and Thrombolysis, 21(1), 23–29. https://doi.org/10.1007/s11239-006-1232-z 

Sex and Facts. (n.d.). La contraceptionhttps://sexandfacts.ch/fr/la-contraception